Warum die Schreib-App Ulysses fast so teuer ist wie das ganze MS-Office-Paket – Podcast 144

Die App Ulysses ist eine minimalistische Schreib-App für Apple MacOS und iOS. Sie bietet nur einen Bruchteil der Funktionen von Microsoft Word und ist im Jahresabo – je nachdem, wie Du rechnest – 2 bis 4 Mal so teuer wie Word.

Das Besondere an Ulysses: Die App ist klar und fokussiert positioniert. Warum diese kleine App nicht den Funktionsumfang von Word braucht und warum mich ihre Positionierung so beeindruckt erfährst Du in dieser Episode von „Positionierung statt Wettbewerb“.

Transrkipt

Hallo und herzlich willkommen zum Podcast „Positionierung statt Wettbewerb“. Ich bin Markus Selders und hole Dich und Dein Unternehmen aus der Vergleichbarkeits-Falle heraus. Damit Du bessere Kunden bekommst und höhere Preise verlangen kannst!

Kennst Du die App Ulysses? Mit ihr kannst Du Texte auf dem Mac, dem iPad und dem iPhone schreiben. Wenn Du sie nutzen willst, liegt der Preis bei 49,99 Euro pro Jahr.

„Ist das viel oder wenig?“, fragst Du Dich vielleicht. Schauen wir uns dazu das Angebot von Microsoft an. Für 54,99 Euro bekommst Du bei Amazon das Office-365-Paket in der Familien-Edition. Bei Microsoft selbst liegt der Preis bei 99 Euro. Dort gibt es auch noch eine Single-Version für 69 Euro im Jahr.

Im Office-Paket sind folgende Programme und Leistungen enthalten:

  • Editor
  • OneDrive Cloud-Speicher
  • Teams
  • Outlook
  • PowerPoint
  • Excel
  • Und natürlich Word.

Word ist so ziemlich die umfangreichste Textverarbeitungs-Software, die ich mir vorstellen kann. Es hat so viele Funktionen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll, sie aufzuzählen. Word ist seit Jahrzehnten der Platzhirsch auf dem Markt der Textverarbeitung. Seit der ersten Version sind immer mehr Funktionen dazu gekommen.

Und Ulysses? Diese App ist im Grunde ein simpler Markdown-Editor.

Was Markdown heißt? Nun, es gibt bestimmte simple Zeichen, die zur Formatierung genutzt werden.

Ein Hashtag am Anfang eines Absatzes leitet eine Überschrift erster Ordnung ein. Zwei Hashtags eine Überschrift zweiter Ordnung und so weiter. Worte, die von jeweils **zwei Sternen** umgeben sind, werden fett geschrieben. Worte, die von jeweils *einem Stern* umgeben werden, kursiv. Und natürlich gibt es noch einige weitere Formatierungen. Darum geht es aber hier nicht.

Markdown ist ein Standard, der 2004 festgelegt wurde. Benutzt wurde er anfangs primär auf Entwickler-Plattformen wie Github für die Dokumentationen.

Man könnte also auch sagen, dass es ein Nerd-Standard ist, der ein gewisses Nischendasein fristet. Und das ist gar nicht abwertend gemeint. Ich schreibe alle Blog-Artikel, Skripte und Notizen in Markdown. Weil ich so einfach zügig schreiben und formatieren kann, ohne dass ich die Hände von der Tastatur nehmen oder mir die Finger verrenken muss.

Ulysses kann im Wesentlichen Markdown. Verglichen mit dem Funktionsumfang von Word ist das quasi nichts. Ulysses kann gerade mal einen Bruchteil von dem, was Word kann.

Schauen wir uns noch mal kurz die Preise an:
Ulysses: 49,99 Euro im Jahr
Word: 11 bis 20 Euro im Jahr, wenn ich berücksichtige, dass im Office-Paket ja tatsächlich fünf echte Programme enthalten sind: Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams.

Und zumindest mit Excel ist noch ein echtes Schwergewicht darunter, das eigentlich jeder Haushalt irgendwann mal braucht und das ebenfalls einen riesigen Funktionsumfang hat.

Also ist Ulysses ein völlig überteuerter Fehlschlag? Oberflächlich betrachtet ja. Weniger Features zum höheren Preis. Wer kauft denn so was?

Nun, offensichtlich genug, damit sich die Entwicklung für ein kleines Unternehmen rechnet. Über 1.100 Bewertungen im Mac-App-Store mit durchschnittlich 4,6 von 5 Sternen. Weitere 629 Bewertungen im iOS App-Store. Hier mit einem Durchschnitt von 4,2 Sternen.

Wenn man also davon ausgeht, dass höchstens jeder 50. eine Bewertung schreibt und Bewertungen im Mac- und iOS-App-Stores sich wahrscheinlich auch überschneiden, dann komme ich auf mindestens 75.000 Nutzer.

Das ist natürlich kein Vergleich zu Microsoft. Und das macht es gerade so spannend. Es ist eine typische David-gegen-Goliath-Situation. Wobei ich noch nicht einmal glaube, dass es eine gegen Situation ist.

Ulysses hat sich nämlich sehr clever positioniert. Zum einen will es nicht wie Word das Programm für jeden sein, das alle möglichen textorientierten Bedürfnisse befriedigt.

Ulysses ist nicht für jeden. Ulysses ist für Autoren. Ulysses ist auch kein Textverarbeitungs-Programm. Ulysses ist ein Schreibprogramm. Ein Schreibprogramm für ablenkungsfreies Schreiben.

Es bietet Funktionen speziell für Autoren. Eine Anbindung an die Blogging-Software WordPress zum Beispiel. Oder die Ausgabe ins eBook-Format ePub. Denn an Buchautoren wenden sich die Macher von Ulysses explizit. Auf der Website gibt es dann auch Testimonials von Autoren, die ihr Buch mit Ulysses geschrieben haben.

Du merkst sicher schon: Ich bin von der fokussierten Positionierung von Ulysses beeindruckt. Anders als Word versucht die App nicht, alles für jeden zu sein. Sie ist ein Werkzeug für Menschen, die ablenkungsfrei längere Texte schreiben wollen.

Für diese Zielgruppe gibt es dann auch Funktionen wie den „Schreibmaschinen-Modus“. Bei ihm ist nur die jeweils aktuelle Zeile im Fokus, der Rest des Dokuments ist ausgegraut, damit man sich nicht von seinem eigenen Text ablenken lässt.

Word dagegen hat für mich noch genau zwei Anwendungsfälle:

Erstens: Ich will einen Brief schreiben, ausdrucken und verschicken. Das kommt immer seltener vor.

Zweitens: Ein Kunde möchte gerne Informationen als Word-Dokumente austauschen.

In allen anderen Fällen ist das große und schwerfällige Word eher im Weg. Was bringen mir „Seiten“, wenn ich fürs Web schreibe? Was habe ich von all den Formatierungs-Möglichkeiten, wenn ich einen sauber gegliederten Text in mein WordPress einfügen will?

Theoretisch kann Word das auch. In Wahrheit spielen die meisten Menschen hier aber eher mit Schriftgrößen rum, als mit einer logischen Gliederung zu arbeiten. Und wer jemals solche Texte aus Word in irgendein ein Content-Management-System übernehmen musste, der weiß, wie schwer es ist, damit weiterzuarbeiten.

Was kannst Du nun von Ulysses für Dein Business lernen?

Erstens: Du musst nicht mehr Funktionen haben, als der Goliath am Markt. Lass den Schwergewichten diesen „Vorteil“, wenn es denn überhaupt einer ist. Hier kannst Du als kleines oder mittelständisches Unternehmen ohnehin nicht mithalten.

Zweitens: Eine klare Zielgruppe vor Augen zu haben, hilft Dir dabei, die richtigen Features anzubieten. Und die falschen Features von Deinem Produkt fernzuhalten.

Denn weniger ist mehr!

Ulysses stiftet für seine Zielgruppe gerade deshalb Wert, weil es so wenige Funktionen hat. Weil es Inhalt und Design trennt und dem Autor ermöglicht, sich voll auf den Inhalt zu fokussieren.

Wenn Du also das nächste Mal an Deinem Produkt oder Deiner Dienstleistung arbeitest, frage nicht: „Was kann ich noch hinzufügen?“

Frage Dich: „Was kann ich entfernen? Und kann ich dadurch die Bedürfnisse meiner Zielgruppe besser befriedigen?“

Dazu musst Du natürlich zuerst einmal wissen, wer Deine Zielgruppe sein soll und welches Bedürfnis Du mit Deinem Produkt adressieren willst. Oder anders gesagt: Du musst Deine Positionierung klar haben.

Dabei unterstütze ich Dich gerne. Zum Beispiel im Positionierungs-Coaching. Wenn Du mehr erfahren möchtest, besuche einfach meine Website www.selders.com.

Und schließlich: Du musst nicht unbedingt gegen den Platzhirsch antreten. Mit dem richtigen Nischenprodukt kannst Du koexistieren. Ich wage mal zu behaupten, dass es genug Nutzer gibt, die sowohl das Microsoft-Office-Abo als auch das Ulysses-Abo haben.

Das wars von mir. Bis zum nächsten Mal. Positioniere Dich fokussiert und einzigartig und finde die richtigen Kunden für Dein Unternehmen.

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